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Großes Geheimnis mit hoher Klangkultur besungen

Konzert des Kammerchors Salzburg in voll besetzter Klosterkirche begeisterte

Von Veronika Mergenthal

Laufen. „O magnum mysterium" beginnen viele weihnachtliche Chorsätze. Das große Geheimnis, dass der König der Welt als kleiner Säugling in einem schmutzigen Stall erschienen ist, mit den Tieren als Zeugen und Beobachter, faszinierte seit jeher die Komponisten. Dieses Wunder besang der Kammerchor Salzburg unter Leitung von Stephan Höllwerth in einem hervorragenden Konzert, das wohl jeden Besucher in der voll besetzten Klosterkirche anrührte.
Unter dem Motto „Carols“ präsentierten die gut 30 Sänger Musik aus dem angelsächsischen Kulturkreis aus vier Jahrhunderten. Warum es gerade in England eine solche Fülle an anspruchsvoller weihnachtlicher Chormusik gibt, erklärte Höllwerth in seiner Moderation. Weltberühmte Krıabenchöre und die Tradition der „Cathedral choirs“ hätten zu allen Zeiten Komponisten zu Weihnachtsstücken inspiriert.
Dem Chor gelang es mit hervorragender Klangkultur und Intonation, einem homogenen Chorklang und souveränen, beweglichen Stimmgruppen, die ganz unterschiedlichen Charaktere der Werke in Szene zu setzen. Mit zwei Renaissance-Stücken begann der Reigen. Anmutig, mit reizvoll ineinander verflochtenen Stimmen, wird bei William Byrds „O magnum mysterium“ das große Geheimnis, die arme Geburt in einer Krippe und die selige Jungfrau Maria besungen. „O nata lux“ von Thomas Tallis hingegen lässt das klare göttliche Licht, Ursprung der Schöpfung, mit ungewohnten Harmonien, sogar einer grellen Dissonanz zwischen „c“ und „cis", aufscheinen.
Zwei ganz unterschiedliche Vertonungen des Textes .,I sing the Birth“ von Ben Johnson schufen der britische Romantiker Edward Elgar und sein Zeitgenosse Hubert Parry. Während Elgar einstimmig nacheinander von Tenor, Alt und Bass vorgetragenen Strophen ein wiederkehrendes Chor-Alleluja gegenüber stellt, schrieb Parry eirı sehr fröhliches, einem Hirtentanz ähnliches Stück.

Ein Höhepunkt des ersten Teiles mit moderneren Klängen war Benjamin Brittens „A Hymn to the Virgin“. Der alte Text aus dem 14. Jahrhundert war raffiniert auf zwei Chöre aufgeteilt, den englischen Hauptchor im Altarraum und das lateinisch singende Ensemble in der rechten Seitenkapelle. Im Mittelpunkt steht die Frauengestalt der Maria als Gegenentwurf zu Eva. John Taverners Stück „The Lamb“ band Elemente der Zwölftontechnik, aber auch mystische Klänge, die an die orthodoxe Kirchenmusik denken ließen, mit ein.
Mit einer zeitgenössischen Umsetzung der Themen „O nata lux“ und „O magnum mysterium“' durch die Amerikaner Guy Forbes und Morten Lauridsen schloss Höllwerth in der Programmzusammenstellung auf stimmige Weise einen Bogen. Der Chor zelebrierte wunderbar das Entschweben-Lassen der meditativen Klänge von Lauridsen bis zum Verklingen im Nichts. In mitreißenden Crescendi und herrlich aufblühenden Chorklängen und in einer Bewegung, die das ganze Ensemble erfasste, spürte man das Sich-Ausbreiten des Lichts und seine Wellenbewegung.
Im zweiten Teil des Konzerts interpretierten die Mitwirkenden, darunter auch Mozarteum-Harfenistin Doris Rehm, „A Ceremony of Carols“ von Benjamin Britten. Der große Erfolg veranlasste Julian Harrison 1955 zu einer Bearbeitung des Knabenchor- oder Frauenchorstückes für gemischten Chor, die in Laufen erklang. Mit dem gregorianischen Hymnus „Hodie christus natus est“ („Heute ist Christus geboren“), als strahlender (Engel-)Ruf nur von den Frauen gesungen, eröffnete und beendete der Chor diese Folge von Liedem mit althochenglischen und lateinischen Texten. Ebenso lautmalerisch ist im Eingangslied das Eilen der Hirten und die Anbetung des Kinds in Szene gesetzt. Das Malen Brittens mit Tönen und Klängen setzen der Kammerchor, einzelne Solisten aus dem Chor und die exzellente Harfenistin mit Verve um. Das kleine Kind wird mit einem impulsiven, abrupt endenden Tanz mit peppigen Synkopen besungen, in dem die Harfe als Rhythmusinstrument eingesetzt ist und sich die Stimmen mit Eclıoeffekten überlagern. Das Einläuten des anbrechenden Frühlings für die ganze Schöpfung durch die Geburt leitete die Harfe mit silbrigem Glöckchenklang ein. Der ganze Chor wurde zum kraftvollen Geläut, das am Ende im Nichts verklang. Die Emotion überfließender Dankbarkeit brachte ein anschwellen des „Deo gratias“ und ein Glissando der Harfe stimmig zum Ausdruck. Mit einer Zugabe von John Rutter besang der Chor nach so viel hoher Theologie Weihnachten als Familienfest.