Rezension Kunstbox:

Zwischen Andacht und Gänsehaut

Ein großartiger Auftakt zu einer möglichen neuen Kirchenkonzert–Reihe gelang am 21. Oktober in der Stiftskirche Seekirchen. Der Salzburger Kammerchor rief, jauchzte, tobte und sang auf höchsten musikalischem Niveau, das nicht zuletzt neben den hervorragenden Sängerinnen und Sängern dem musikalischen Leiter Thomas Mandl zuzuschreiben ist.

Thema des Konzertes waren die Psalmen Davids – das persönliche Gespräch mit Gott im Alten Testament, die geprägt sind von gegensätzlichen Gefühlswelten, von jubilierender Freude und Hoffnung bis zu unsagbarem Leid. Gesungen wurden Werke von den drei Meistern der protestantischen Kirchenmusik: Schütz, Bach und Mendelssohn.

Hervorzuheben ist auch, wie der Chor mit den räumlichen Dimensionen umging. Beim 100. Psalm von Heinrich Schütz – “Jauchzet dem Herrn, alle Welt” – teilte sich der Chor in zwei vielstimmige Chöre auf, um sich in der Kirche zu verteilen und das Publikum mit den Echos der Komposition zu umfangen. Keine einfache Aufgabe für den Dirigenten, lag zwischen ihm und dem ersten Chor doch eine ganze Kirchenlänge. Dass so ein Experiment doch gelang, war seinem Dirigat geschuldet: Er lockte seine SängerInnen mit Blicken und Gesten, forderte die unentbehrliche Spannung, dämpfte mit kleinen Fingerzeig die, die in seinen Ohren zu übermotiviert vorzupreschen drohten, gab mit einem kurzen Nicken seiner Zufriedenheit Ausdruck. Und dazu hatte er durchgehend Anlass: Es gelang ihm, dem Chor feinste Ausdrucksnuancen abzugewinnen, die den hochdramatischen Text der Psalmen die richtige Wirkung verliehen.

Der Abend war gespickt mit musikalischen Höhepunkten, die Titel lesen sich wie eine Hitliste: Felix Mendelssohn Bartholdys “Warum toben die Heiden” und “Richte mich, Gott”, Johann Sebastian Bachs “Lobet den Herrn, alle Heiden” sowie das einzigartige “Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf” und nicht zuletzt Heinrich Schütz mit dem oben bereits erwähnten 100sten Psalm und dem Schlusslied des Konzertes “Singet dem Herrn ein neues Lied”.

Komplettiert wurde das Klangerlebnis vom einfühlsamen Organisten Stefan Mohr, er brachte Werke von Johann Gottfried Walter und Percy Fletcher zu Gehör. Er zeigte hohe technische Brillanz und ein temperamentvolles, mitreißendes Spiel, zudem hielt er dem Chor bei den zahlreichen Umbauten von ein– auf doppelchörig und zurück mit feinst ziselierten Orgelklängen den Rücken frei.

Zusammengefasst: Auch Heinrich Schütz, Felix Mendelssohn Bartholdy und Johann Sebastian Bach hätten es mit höchster Wahrscheinlichkeit dem Publikum gleichgetan – mit Gänsehaut, Andacht und ausgeprägtem Applaus.