Ausschnitt aus einer Rezension von Drehpunkt Kultur. Hier der volle Wortlaut.

Belcanto der neuen Musik

NACHT DER KOMPONISTEN
VON GOTTFRIED FRANZ KASPAREK

„Höre, so lebt deine Seele“ lautete es, herrlich musikalisch, und Chormusik stand im Zentrum. Siehe da, Oliver Krafts „Jan Skácel-Lieder“, Thomas Daniel Schlees Motette „Dann steht der Mandelbaum in Blüte“, die wahrlich „altmeisterlichen“ Firlinger, Michael Walter, Armin Kircher, Josef Grabner, Laurence Traiger und Franz Zaunschirm, die luzide, vokal-instrumentale Tondichtung „Ikarus“ von Wolfgang Danzmayr, die eindringlich formulierte Hopi-Weissagung „Der letzte Baum“ Castila Avila und Urban Östlunds – all diese Stücke eint der Wille, Musik für die menschliche Stimme und ihre Schönheit zu schreiben: Musik, die man singen kann, nicht schreien, krächzen, gurgeln muss. Ganz besonders manifest wurde dies in den berührenden „3 Liedern für 4stimmigen Chor a cappella“ von Klemens Vereno, komponiert 2007, nun endlich uraufgeführt: Trakl mit Hauptmann und Weinheber durchaus mutig verbindend.
Der Kammerchor Salzburg unter Martin A. Fuchsberger bot dabei die wohl reifste Chorleistung des Konzerts. Johannes Krall hat eine witzige Studie über die Zeit und die Sprache geschrieben, auch sie landet im Gesang. Zwischen all dem Belcanto wirkte Wolfgang Niessners neu gefasste, experimentelle „Sprachskulptur über den Krieg“ nicht fremd, sondern als ausdrucksstarkes Bekenntnis.